Die gute Saat

Neben dem „normalen“ Gemüsebau erzeugen wir auf dem Gärtnerhof auch Saatgut in Zusammenarbeit mit der Bingenheimer Saatgut AG (BSAG). Das heißt, wir bekommen Saatgut von Züchterinnen und Züchtern des KulturSaat e.V. oder direkt von der BSAG, bauen diese Kultur an und wählen daraus die besten, besser gesagt die sortentypischsten Pflanzen aus. Also die Exemplare, die dem festgeschriebenen Sortenbild am ehesten entsprechen. Diese ausgewählten „Samenträger“ werden dann gesondert wieder eingepflanzt und zum Blühen gebracht (einjährige Kulturen). Die sogenannten zweijährigen Kulturen blühen erst im Folgejahr. Diese werden über den Winter mit Wurzel im Kühlhaus eingelagert und im nächsten Frühling gepflanzt.

 

Nach der Blüte und später der Samenreife, folgt die Abernte, der Drusch, das Nachtrocknen und dann der Versand zur BSAG. Dort wird das Rohsaatgut gereinigt, diagnostiziert, evtl. einer Warmwasserbeize unterzogen und verpackt. Diese Zusammenarbeit bietet auch den Vorteil, dass wir als Erwerbsgärtner*innen Rückmeldungen zu den angebauten Sorten geben, und somit auch an der Sortenentwicklung beteiligt sind. Bei anderen Saatgutfirmen verläuft die Vermehrung meist auf den Firmen-internen Flächen. Die Erzeugung von Saatgut ist die Grundlage der Lebensmittelproduktion und für uns Bäuer*innen und Gärtner*innen unverzichtbar. Daher sollten wir dieses Elementare nicht aus der Hand geben. Zumal es bei den samenfesten Sorten noch möglich ist, sie auf Höfen zu vermehren und anbauwürdige Nachkommen zu erhalten. Gleichzeitig passen sich die samenfesten Sorten der BSAG und von KulturSaat e.V. durch die Vermehrung auf unterschiedlichsten Betrieben auch verschiedensten Bedingungen an, die die Sorte genetisch breiter aufstellt und somit auch angepasster an unterschiedliche Standorte macht.

Es ist wunderbar unsere Kulturpflanzen auch mal gewollt blühen zu sehen und einen Weg mitzugehen, den man als Gemüsegärtner*in sonst nicht miterlebt.

In 2019 werden wir Samen von Weißkohl (Sorte „Dowinda“), Möhren (eigene Hofsorte „Röllingser Rübe“) und Sellerie (Sorte „Ibis“) erzeugen.  Außerdem starten wir im Herbst 2019 die Erhaltungszucht der glatten Petersilie Sorte „Felicia“. Und jetzt wächst bereits im Freiland Weißkohl der Sorte „Dottenfelder Dauer“ für die Vermehrung im Jahr 2020.

Vielleicht sehen sie die Saatgutbestände ja mal auf einer der Hofbegehungen im Sommer oder Herbst blühen oder fruchten.